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Hier kann und muss man unterscheiden zwischen Anwendungen,
die teilweise schon Jahrzehnte unseren Alltag bestimmen, von denen wir aber
erst in den letzten Jahren erkannt haben, dass sie auf nanoskaligen Systemen
beruhen und Anwendungen, die in Zukunft völlig neue Produkte ermöglichen.
Zur ersten Gruppe
gehören so "banale" Dinge wie z.B.
Filme, Tinten, Pigmente, ultradünne Schutz- und Funktionsschichten
(auf Werkzeugen, kratzfesten Kunststoffbrillengläsern, in Datenspeichern,
als easy-to-clean oder sogar selbstreinigende Oberflächen etc.)
die alle auf feinstverteilten Partikeln oder Schichten beruhen. Ihre
Funktion wird durch die Grösse der Komponenten wesentlich mitbestimmt
oder erst ermöglicht. Dies ist eines der Charakteristika von Nanomaterialien:
Das Ausnutzen von Effekten, die auf der Grösse beruhen wie
z.B. optische Eigenschaften - wie Lichtabsorption in Metallen und Halbleitern
oder Streuung von Partikeln (diese verschwindet fast vollständig,
sobald die Teilchen unterhalb von ca. 50 nm gross sind), magnetische
oder elektrische Eigenschaften, mechanische Eigenschaften wie Härte
sowie Verarbeitungseigenschaften (niedrigere Schmelz- und Sintertemperaturen)
und viele mehr. Man versucht also veränderte Materialeigenschaften
auszunutzen, die unterhalb von ca. 100 nm immer deutlicher zu Tage treten.
Dies wird besonders bei der zweiten
Gruppe von Systemen deutlich,
die in den letzten 10-15 Jahren entdeckt und untersucht wurden wie z.B.
den Kohlenstoff-Nanoröhren (Carbon Nanotubes CNT), die in unterschiedlichen
Varianten hergestellt und modifiziert werden können. Sie weisen
Durchmesser im Bereich von ca. 2-10 nm auf und können in Längen
bis zu einigen 100 µm hergestellt werden. Ihre Eigenschaften sind
einzigartig: extrem hohe Festigkeit und Steifigkeit, hohe elektrische
Leitfähigkeit, sehr gute Wärmeleitfähigkeit etc. Hier
gibt die Phantasie der Materialentwickler viel her wie z.B. höchstauflösende
Displays mit extrem niedrigem Energieverbrauch, ultrafeste Fasern, die
es erlauben einen Aufzug für Satelliten in den Orbit zu konstruieren,
extrem miniaturisierte elektronische Schaltungen und vieles mehr. Bislang
sind die meisten dieser Anwendungen jedoch noch nicht realisiert wobei
die Schwierigkeiten bei der Herstellung dieser Nanotubes eine grosse
Rolle spielen. Die Erzeugung von CNT mit möglichst reproduzierbaren
Eigenschaften zu erträglichen Preisen (Marktpreise zur Zeit > 200
Euro/g für einwandige CNT guter Qualität) ist eine Herausforderung.
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