Fraunhofer Allianz Nanotechnologie
Von Polymerkolloiden zu photonischen Materialien Polymere Nano- oder Mikropartikel einheitlicher Form und Größe, wie sie durch Emulsionspolymerisation erhalten werden, lassen sich zu hochgeordneten, kristallähnlichen Strukturen organisieren. Die Eigenschaften so erzeugter selbstorganisierter Funktionsmaterialien sind weniger durch das Material ihrer Bausteine, sondern vielmehr durch ihre Größe, gegenseitige Anordnung und Oberflächenfunktionalität bestimmt. Die Strukturbausteine sind in der Größe von 40 nm bis 800 nm frei einstellbar. Haben die Strukturbausteine die Größenordnung der Lichtwellenlänge, so führt die Lichtbeugung an den Gitterebenen der Kolloidkristalle zu ausgeprägten Farbeffekten, wie sie aus der Natur vom Opal oder den Strukturfarben bestimmter Insektenflügel bekannt sind. Selbstorganisation als Konstruktionsprinzip Da die Herstellung derartiger 3D-Gitter mit mikrolithographischen oder holographischen Verfahren ("top-down") extrem aufwendig ist, stellt der "bottom-up"-Aufbau durch Selbstorganisation monodisperser Partikel eine einfache Alternative dar. Dem Nachteil der begrenzten Perfektion dieser "gewachsenen" Kristalle steht der Vorteil gegenüber, dass durch einfache Variation der verwendeten Partikelgröße optische Materialien für Einsatzgebiete vom UV- bis in den IR-Bereich zugänglich werden (Abb. 1).
Die Selbstorganisation von Latexpartikeln zu optischen Funktionsmaterialien wurde in den letzten Jahren innerhalb von zwei BMBF-geförderten Projekten untersucht. Im Verbundvorhaben "Maßgeschneiderte Polymerlatices und ihre Selbstorganisation zu Partikelarrays für Anwendungen in der optischen Informationsverarbeitung und Sensorik" wurde die bottom-up-Strategie zum Aufbau dreidimensionaler optischer Gitter mit definierter Gitterkonstante und Schichtstruktur verfolgt, während das Projekt "Thermisch schaltbare Kern-Schale-Latexteilchen in gelfixierten kolloidalen Kristallen" auf die Implementierung von Schaltfunktionen durch den Einbau von thermoreversiblen Gelmaterialien in Kolloidkristalle zielte. Latexpartikel maßgeschneidert Zur Herstellung der Partikelarrays wurden unterschiedliche Abscheidetechniken entwickelt, wie Sedimentation, hydrodynamischer Fluss unter eingeschränkter Geometrie und Vertikalabscheidung beim Verdunsten des Dispersionsmittels. Es wurden bis zu einige cm2-große und 1 bis 50 Partikelschichten dicke hochgeordnete Filme mit außergewöhnlichen optischen Eigenschaften erzeugt. Strukturuntersuchungen mittels Mikroskopie, Lichtbeugung und Spektroskopie ergaben, dass diese aus bis zu 104 µm2-großen monokristallinen Domänen aufgebaut sind, welche vorzugsweise Stapel aus hexagonal dicht gepackten Partikelebenen darstellen (fcc, hcp oder rhcp-Kristallstrukturen). Anhand der charakteristischen Beugungsbilder in Transmission wurde insbesondere die Wirkung der dritten Gitterkonstante (z-Richtung) herausgearbeitet. Mit zunehmender Anzahl der Schichten erfolgt eine Umverteilung der Lichtintensität auf bevorzugte Beugungsspots und Wellenlängen, in Analogie zur von Laue-Diffraktion von weißem Röntgenlicht an atomaren Kristallen. Auf diesem Effekt basieren Sensorikkonzepte zur diffraktiv-optischen Farbverarbeitung sowie zur Klassifizierung globaler Bildinformationen in der Bildvorverarbeitung. Inverse Opale
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